Allgemeine Chemie
Buchtipp
Kurzlehrbuch Chemie
G. Boeck
19.95 €

Buchcover

Anzeige
Stichwortwolke
forum

Zurück   ChemieOnline Forum > Naturwissenschaften > Chemie > Allgemeine Chemie

Hinweise

Allgemeine Chemie Fragen zur Chemie, die ihr nicht in eines der Fachforen einordnen könnt, gehören hierher.

Anzeige

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 02.02.2015, 12:51   #1   Druckbare Version zeigen
Seaborg Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 145
Komplexchemie

Hallo Chemiker et al.,

folgende Fragen, die ihr wahrscheinlich beantworten könnt.

Gibt es die Möglichkeit, Metallionen, die in einem Komplex gebunden sind, mithilfe eines anderen Komplexbildners (KB) "abzuwerben", oder sozusagen "umzukomplexieren" und zwar ohne Zwischenschritte?
D.h. gibt es stärkere KB und schwächere, so wie z.B. bei Säuren?
Könnte man so aus einem Gemisch von Metallionen, ähnlich wie beim Trennungsgang, durch Anwendung verschiedener KB letztlich diese elegant trennen ?

Und: gibt es Literatur darüber, wie man einzelne Metallionen aus einem Gemisch durch "Einbau" in andere Kristalle "mitfällt" ?

Danke für Antworten auf Nichtchemiker-Niveau!

Seaborg
Seaborg ist offline   Mit Zitat antworten
Anzeige
Alt 02.02.2015, 12:58   #2   Druckbare Version zeigen
Cyrion Männlich
Mitglied
Beiträge: 6.526
AW: Komplexchemie

Das "Umkomplexieren" ist durchaus möglich, weil sich im Gleichgewicht immer der stabilste Komplex bildet.

Aber: Die Säurestärke gilt ja auch nur für die Bindung zu H+. Dementsprechend ist jeder Ligand für jedes Metallatom auch unterschiedlich stark. Generelle Aussagen über die Abstufung der Bindungsstärke zwischen Ligand und Metallion sind nur grob möglich.

Mit Sicherheit wird man auch eine Trennung einiger Ionen durch Liganden ausarbeiten können. Hier wird man mit Sicherheit aber Quantitativ arbeiten müssen, um nicht zu viel von einem Liganden zuzugeben. Außerdem muss man für nachfolgende Reaktionen das Metallion auch wieder aus dem Komplex rauskreigen. Die "klassischen" Trennungsmethoden sind da einfach effektiver.
__________________
Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim: Allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.

Erfahrung: Wenn es so einfach wäre, hätte es schon längst jemand gemacht
Cyrion ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.02.2015, 13:05   #3   Druckbare Version zeigen
mgritsch Männlich
Mitglied
Beiträge: 2.014
AW: Komplexchemie

Zitat:
Zitat von Seaborg Beitrag anzeigen
Gibt es die Möglichkeit, Metallionen, die in einem Komplex gebunden sind, mithilfe eines anderen Komplexbildners (KB) "abzuwerben", oder sozusagen "umzukomplexieren" und zwar ohne Zwischenschritte?
D.h. gibt es stärkere KB und schwächere, so wie z.B. bei Säuren?
natürlich, das gibt es.
auch die Bildung eines Komplexes ist eine Gleichgewichtsreaktion wie jede andere, und da gibt es sehr unterschiedliche Gleichgewichtskonstanten

Praktisch macht man sich das ja in der Komplexometrie zunutze:
  • Mit dem Indikator wird ein farbiger Komplex gebildet, der Komplex mit EDTA ist stärker, ist dann zum Schluss alles Metall an EDTA gebunden ändert auch der Indikator wieder seine Farbe wenn er seine Metallatome "verliert".
  • Unterschiedlich starke Komplexbildungskonstanten kann man sich zunutze machen dass durch Einstellen des richtigen pH nur ein bestimmtes Ion erfasst wird und die anderen nicht mit EDTA reagieren
  • "Maskierung": hier setzt man bewusst Komplexbildner zu, die mit bestimmten Ionen Komplexe bilden die stärker sind als der mit EDTA, dadurch werden sie nicht erfasst.
  • Auch Zugabe von NH3 oder Tartrat oder Citrat um Ausfällungen an Fe+3 oder Cu+2 im alkalischen zu verhindern sind eine praktische Anwendung
der Unterschied ist halt, dass eine starke Säure immer stark ist.
Bei Komplexbildnern kann man das nicht so pauschal sagen, da kommt es auch stark auf das Zentralatom an.



Zitat:
Könnte man so aus einem Gemisch von Metallionen, ähnlich wie beim Trennungsgang, durch Anwendung verschiedener KB letztlich diese elegant trennen ?
in Einzelfällen (präparativ) ja - zB Nickel mit Diacetyldioxim, generell wird es jedoch schwer. Mit vielen Komplexbildnern gibt es relativ unspezifische "Gruppenfällungen" die dann schwer weiter auftrennbar sind (zB Oxinate), meistens werden Komplexbildner jedoch eher eingesetzt um Dinge in Lösung zu halten.

Zitat:
Und: gibt es Literatur darüber, wie man einzelne Metallionen aus einem Gemisch durch "Einbau" in andere Kristalle "mitfällt" ?
was meinst du damit? Mischkristallbildung? Adsorption? Verunreinigungen die ins das Gitter eingebaut werden?
mgritsch ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.02.2015, 13:16   #4   Druckbare Version zeigen
Seaborg Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 145
AW: Komplexchemie

Hallo Cyrion und mgritsch,

danke, das ist schon mal sehr fundamental für mich
Gibt es evtl. ein Buch, in dem darüber halbwegs verständlich etwas nachzulesen ist?

mgritsch:
was meinst du damit? Mischkristallbildung? Adsorption? Verunreinigungen die ins das Gitter eingebaut werden?

Ich meine wahrscheinlich alle diese Möglichkeiten. Es geht um die Abtrennung kleiner und kleinster Mengen (von Metallen) aus Gemischen, also so, wie letztlich von Dir mithilfe der DC gezeigt.

Seaborg
Seaborg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.02.2015, 14:20   #5   Druckbare Version zeigen
mgritsch Männlich
Mitglied
Beiträge: 2.014
AW: Komplexchemie

Zitat:
Zitat von Seaborg Beitrag anzeigen
Gibt es evtl. ein Buch, in dem darüber halbwegs verständlich etwas nachzulesen ist?
Sehr viele, aber eher jeweils speziell. Für einen breiteren, allgemeinen Einstieg wüsste ich nichts besonders passendes. Dazu müsstest du die Frage etwas eingrenzen (welches Element aus welcher Matrix zu trennen, worum geht es - um präparatives isolieren oder um quantiative bestimmung bestimmter Elemente oder um qualitativen Nachweis... zu letzterem sind grundsätlich diverse Hinweise beim klassischen Trennungsgang zu finden...)

Wenn es dir um die allgemeine qualitative Analyse geht - prinzipiell gibt es schon einen Grund warum der Trennungsgang so gelehrt wird. Da gibt es nicht wirklich eine Alternative, bis auf gewisse Ausnahmefälle. Die quantitativen Methoden setzen für eine richtige Methodenwahl die vorherige Kenntnis der qualitativen Zusammensetzung voraus.

Für einen nicht-Chemiker ist das alles aber eher herausfordernd.

Zitat:
mgritsch:
was meinst du damit? Mischkristallbildung? Adsorption? Verunreinigungen die ins das Gitter eingebaut werden?

Ich meine wahrscheinlich alle diese Möglichkeiten. Es geht um die Abtrennung kleiner und kleinster Mengen (von Metallen) aus Gemischen, also so, wie letztlich von Dir mithilfe der DC gezeigt.
Glaube nicht dass dir das irgendwie nutzt. In speziellen Fällen gibt es hier Ansatzpunkte - zB kann man aus einer gesättigten NiSO4-Lösung recht gut das Ammonium-Doppelsalz ausfällen, auch Magnesiumammoniumphosphat geht, etc.
Alles was mit Adsorption/eingebaute Verunreinigungen zu tun hat, ist halt ein (eher unerwünschter) Nebeneffekt, meist ohne besonderen Nutzen. Ein Adsorptionsbeispiel ist die Argentometrie (Stichwort: Methode nach Fajans)
mgritsch ist offline   Mit Zitat antworten
Anzeige


Antwort

Stichworte
komplexchemie, trennung

Themen-Optionen
Ansicht

Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Komplexchemie Pillepalle1 Allgemeine Chemie 2 01.02.2015 00:26
Komplexchemie macawaj Anorganische Chemie 1 16.04.2012 17:45
Komplexchemie Nici92 Anorganische Chemie 3 10.10.2011 16:44
Komplexchemie Giessener20 Allgemeine Chemie 3 25.11.2007 15:54
Komplexchemie azur01 Anorganische Chemie 6 20.08.2006 19:31


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 13:22 Uhr.



Anzeige