Medizin & Pharmazie
Buchtipp
Taschenatlas zur Allergologie
J. Behr (Mitarb.), S.C. Bischoff (Mitarb.), E. Krause (Mitarb.), G. Grevers (Hrsg.), M. Röcken (Hrsg.)
29.95 €

Buchcover

Anzeige
Stichwortwolke
forum

Zurück   ChemieOnline Forum > Naturwissenschaften > Medizin & Pharmazie

Hinweise

Medizin & Pharmazie Das Forum für Themen wie Toxikologie, Bioanorganik, Gesundheit, Arzneien und andere.

Anzeige

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 14.04.2019, 02:32   #1   Druckbare Version zeigen
Niner Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 3
Sorgen nach Laborarbeit

Hallo,

ich arbeite unter dem Abzug und berühre mit meinem Ärmel/ meiner Haut vermutlich unbekannte Chemikalien, da der Labormantel nicht alles abdeckt. Beim Händewaschen/ Abtrocknen verteile ich diese durch Berührung von jenem Ärmel/ jener Haut überall. Ich habe rissige Hände, die schmerzen, was die Hautabsorption erhöht.

Ist das gefährlich oder nicht? Meine Sorge gilt vor allem CMR-Stoffen und den Erkrankungen, die diese auslösen. Danke für euer Wissen.

Gruß, Niner
Niner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 06:29   #2   Druckbare Version zeigen
jag Männlich
Mitglied
Beiträge: 18.361
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Nach dem Händewaschen befinden soch keine merklichen Mengen Chemikalien auf der Haut.

Der Laborkittel sollte regelmäßig gewaschen und gewechselt werden.

Rissige Haut ist ein Problem fehlenden/faschen Hautschutzes (werden Handschuhe getragen, wenn ja welche und wie lange?). In einem Labor sollte dazu ein Hautschutzplan vorganden sein und ggf. auch die entsprechende Hautschutz- und Pflegeprodukte. Wenn nicht nachfragen bzw. selber besorgen. Rissige Hände dürfen nicht sein.

Sorgen machen muss man sich erstmal nicht.

Gruß

jag
__________________
Die Lösung auf alle Fragen ist "42".
Aus gegebenem Anlass: Alle Rechnungen überprüfen, da keine Gewähr. - Fragen bitte im Forum stellen.
jag ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 09:28   #3   Druckbare Version zeigen
chemiewolf Männlich
Mitglied
Beiträge: 22.657
AW: Sorgen nach Laborarbeit

wie kommst du darauf,dass der Abzug bzw. Arbeitsplatzt mit irgendwelchen CMR-Stoffe kontaminiert ist?
__________________
The State Senate of Illinois yesterday abandoned its Committee on Efficiency and Economy for reasons of 'efficiency and economy'.
De Moines Tribune, 6 February 1955
chemiewolf ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 10:56   #4   Druckbare Version zeigen
rettich Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.632
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Hallo und willkommen hier.
Was hast Du genau womit gemacht und was stand da im Weg?
__________________
mfg: rettich

Man kann gar nicht so dämlich denken wie
andere Handeln.
Speziell im Strassenverkehr und im Labor.

Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.
rettich ist offline   Mit Zitat antworten
Anzeige
Alt 14.04.2019, 13:13   #5   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.666
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Wenn du eine sinnvolle Risikoeinschätzung machen willst, musst du zunächst schauen, mit welchen Chemikalien und in welchen Mengen überhaupt gearbeitet wird. Was ist das für ein Labor und mit was wird gearbeitet? Gibt es CRM-Stoffe (welche?) und was wird damit gemacht?

Dann solltest du überlegen, wie du einen Kontakt mit den Substanzen vermeiden kannst und welche Schutzmaßnahmen sinnvoll wären. Du schreibst, dass dein Laborkittel "nicht alles abdeckt", was meinst du damit? Brauchst du einen anderen Kittel mit anderer Armlänge? Wie sieht es mit Schutzhandschuhen aus? Damit meine ich echte Schutzhandschuhe und nicht irgendwelche Latex-Handschuhe. Auch dafür wäre es sinnvoll, zu wissen, mit welchen Substanzen umgegangen wird...

Wenn du beim Händewaschen Chemikalien "überall verteilst", machst du dabei offenbar was falsch. Zum Hautschutz hat "jag" dir schon eine Menge geschrieben.

Grüße,
Zara
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 20:55   #6   Druckbare Version zeigen
kaliumcyanid Männlich
Mitglied
Beiträge: 19.181
AW: Sorgen nach Laborarbeit

CMR-Stoffen ist man auch beim Konsum von Alkohol, Tabak (aktiv und passiv) sowie diversen Speisen (gegrillt, gebraten) ausgesetzt... unser Alltag ist nicht frei davon. Das sollte man erst mal in Relation zu dem setzen, was man sonst so tut. Wir hatten hier schon Leute im Forum, die echte Ängste ausstehen mussten, aber dann zur Beruhigung eine Zigarette rauchen.

Sollte die Laborarbeit zu entsprechenden Ängsten/Panikattacken führen, sollte man sich im Sinne seiner Gesundheit vielleicht ein anderes Betätigungsfeld suchen.

Befürchtungen lassen sich noch diskutieren, aber irrationale Ängste nicht wegdiskutieren, egal wie sachlich man vorgeht. Wo stehen wir hier? Wie schätzt du dich ein, Niner?

Bemerkenswert, dass in den letzten ein-zwei Jahren hier immer mehr Leute im Forum auftauchen und derartige Probleme kundtun. Klassischer Satz: früher gab es das nicht. Warum?
kaliumcyanid ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 21:40   #7   Druckbare Version zeigen
rettich Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.632
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Wundert mich nicht, weil es früher kein Internet gab und Suchen dadurch extrem vereinfacht ist.
Auch weil in den Medien jetzt über Chemiekalien berichtet wird die früher nur Insider kannten. Stichwort Autoabgase usw.

Das mit der Zigarette kann ich nachvollziehen.
__________________
mfg: rettich

Man kann gar nicht so dämlich denken wie
andere Handeln.
Speziell im Strassenverkehr und im Labor.

Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.
rettich ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.04.2019, 22:36   #8   Druckbare Version zeigen
Niner Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 3
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Es geht mir ja gerade darum, herauszufinden, ob ich überreagiere. Man kann im Labor gar nicht genug Sicherheitsmaßnahmen beachten, wo ist die Grenze? Ich will ehrlich wissen:

1) Lest ihr euch immer die Sicherheitsdatenblätter durch?
2) Benutzt ihr chemikalienspezifisch unterschiedliche Handschuhe?
3) Geht ihr wirklich sicher, dass keine Chemikalie euch berührt?
4) Es ist freier Raum zwischen Labormantel und Handschuh, wenn ich das was raufkrieg, verteile ich es nachher vielleicht unabsichtlich überall, weil ich nicht sehe, wo es ist. Ist das unbedenklich?

Ich fühle mich aufgeschmissen, das Protokoll verlangt tausende Maßnahmen und dann sehe ich meinen Vorgesetzten, wie er den Kopf in den Abzug steckt und pipettiert. Ich bin Bachelorstudent, klärt mich auf. Ist es egal, ob vielleicht täglich irgendwas auf mich gelangt, weil die Umwelt noch viel schädlicher ist und wir das aushalten? Ich will mir nicht etwas Falsches von Vorgesetzten angewöhnen, und nach Jahren hab ich dann den Schaden. Wie viel Sicherheit ist genug, liebe Experten?
Niner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.04.2019, 22:51   #9   Druckbare Version zeigen
Niner Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 3
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Ich tippe auf irrational aber es ist für mich schwierig zu differenzieren, denn die Vorschriften sind: "Lass nichts an dich rankommen, sonst kriegst du vielleicht Probleme" und es gibt nichts, das diese Behauptung wiederlegt. Man kann theoretisch von einmal Formaldehyd Kontamination unfruchtbar sein, theoretisch...
Niner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.04.2019, 06:45   #10   Druckbare Version zeigen
jag Männlich
Mitglied
Beiträge: 18.361
AW: Sorgen nach Laborarbeit

1) Lest ihr euch immer die Sicherheitsdatenblätter durch?

Man kann aus den SDB/MSDS schon einiges erfahren, aber diese Informationen sind formal und komplex aufgebaut und zusammengesetzt. Je nach Ersteller bzw. Hersteller der Chemikalie kann ein solches Blatt stark differieren; aus Vorsichtsgründen werden dorr häufig maximale Anforderungen bzw. Einstufungen durchgeführt. Diese sind häufiger nicht oder schlecht belegt.

2) Benutzt ihr chemikalienspezifisch unterschiedliche Handschuhe?

Im Laborbetrieb ist das unrealistisch. Nach meiner Einschätzung sollten Laborschutzhandschuhe auch eine passable Taktilität aufweisen, damit man verbnünftig arbeiten kann. Die häufig angegebenen (SDB) Chemikalienschutzhandschuhe sind dafür nicht geeignet. Einfache Nitrilhandschuhe (Einweg) erfüllen die Grundnorm für Schutzhandschuhe. Da diese nach 15 MInuten gewechselt werden (oder erkennbarer Kontamination bzw. Beschädigung) sind die ausreichend. Einige Hersteller haben Prüfungen für spezielle Chemikalien durchgeführt (z.B. Ethidiumbromid als CMR-Stoff).

3) Geht ihr wirklich sicher, dass keine Chemikalie euch berührt?

Das kann man gar nicht ausschließen, es sei denn man hat einen Vollschutz.

4) Es ist freier Raum zwischen Labormantel und Handschuh, wenn ich das was raufkrieg, verteile ich es nachher vielleicht unabsichtlich überall, weil ich nicht sehe, wo es ist. Ist das unbedenklich?

Nein. Deshalb sollte man regelmäßig die Hände/Unterarme abspülen und ggf. reinigen (Hautschutz nicht vergessen). Schutzkittel regelmäßig und nach jeder sichtbaren Kontamination wechseln und waschen.

Betriebsanweisungen, Protokolle, SOP's verlangen in der Tat häufig so stringente Maßnahmen, dass ein (effizientes oder effektives) Arbeiten erschwert ist. Da muss/sollte man differenziert selber beurteilen (auch das sollte zum Inhalt eines einschlägigen Studiumsgehören). Oder man fragt jemanden, der Ahnung hat (nicht unbedingt die Fachkraft für Arbeitssicherheit - die hat zuweilen einfach nicht die erforderlichen chemisch-biologisch-toxikologisch-medizinischen Kenntnisse).

Gruß

jag
__________________
Die Lösung auf alle Fragen ist "42".
Aus gegebenem Anlass: Alle Rechnungen überprüfen, da keine Gewähr. - Fragen bitte im Forum stellen.
jag ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.04.2019, 07:46   #11   Druckbare Version zeigen
Rumpanscher Männlich
Mitglied
Beiträge: 344
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Wenn du dich unsicher fühlst steht es dir doch frei die Sicherheitsdatenblätter zu studieren. Während meiner Bachelorarbeit am KIT durfte ich erst mit einem Stoff arbeiten, wenn ich das Sicherheitsdatenblatt studiert hatte. Dazu musste ich mir eine Unterschrift holen.

Ich sehe oft, bei meiner jetzigen Arbeit, wie larifari manche meiner Kollegen arbeiten. So oft man Ihnen auch zuredet, was Sie schon immer so gemacht haben bekommt man auch nicht mehr weg. Ob du dir diese Arbeitsweise ebenfalls angewöhnst oder bewusst darauf achtest WIE du arbeitest, ist dir selber überlassen.

Thema rissige Haut: habe ich selbst im Winter auch. Wir haben im Betrieb spezielle Handcremes genau dafür bereitgestellt bekommen. Im Studium hatte ich immer eine Handcreme im Spint. Bei Schutzhandschuhen bin ich immer skeptisch. Wenn man Sie benutzt dann die komplette Zeit durch. Da der Schweiß beim tragen die Haut aufweicht. Wenn man dann sagt, ne jetzt stören Sie, dann ist die Haut noch anfälliger für solche Chemikalien.
__________________
Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.
Mark Twain
Rumpanscher ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.04.2019, 08:44   #12   Druckbare Version zeigen
Cyrion Männlich
Mitglied
Beiträge: 6.166
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen
1) Lest ihr euch immer die Sicherheitsdatenblätter durch?
Nein. Ich informiere mich aber vor der Arbeit über das Gefahrenpotential der Stoffe und Gemische, mit denen ich arbeite. Wenn ich gravierende Bedenken habe rede ich mit meinem Chef. Immerhin sollen bei meiner Arbeit praktisch sämtliche Chemikalien in Gemischen von Handwerkern/Privatpersonen angewandt werden. Hier wie wild mit CMR-Stoffe um sich zu schmeißen wäre sinnfrei. (Auch, wenn einige Handwerker der Meinung sind, dass ein Mittel nur dann wirkt, wenn die maximal mögliche Zahl von Gefahrenhinweisen & -symbolen auf dem Etikett ist.)

Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen
2) Benutzt ihr chemikalienspezifisch unterschiedliche Handschuhe?
Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen

Aber sicher das. Schon alleine die Frage, ob ich überhaupt Handschuhe anziehe, ist bei jedem Arbeitsschritt vorhanden. Auch Handschuhe bvereiten Probleme.

3) Geht ihr wirklich sicher, dass keine Chemikalie euch berührt?
Aber sicher nicht. Es hängt von der Chemikalie ab. Genauso wie ich Schampoo und Seife benutze, schütze ich mich nicht vor gelegentlichem Kontakt mit harmloseren Ihnaltsstoffen derselben.

Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen
4) Es ist freier Raum zwischen Labormantel und Handschuh, wenn ich das was raufkrieg, verteile ich es nachher vielleicht unabsichtlich überall, weil ich nicht sehe, wo es ist. Ist das unbedenklich?
Die Schutzmaßnahmen haben immer auf die entsprechende Bedrohung angepasst zu sein. Ein Feuerwehrmann trägt auch nicht volle Brandschutzausrüstung für einen Rettungsschwimmereinsatz.

Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen
Ich fühle mich aufgeschmissen, das Protokoll verlangt tausende Maßnahmen und dann sehe ich meinen Vorgesetzten, wie er den Kopf in den Abzug steckt und pipettiert.
Was pipettiert denn Dein Vorgesetzter? Wasser? Spülmittel? Flussäure? Pesterreger? Algen?

Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen
Ich bin Bachelorstudent, klärt mich auf. Ist es egal, ob vielleicht täglich irgendwas auf mich gelangt, weil die Umwelt noch viel schädlicher ist und wir das aushalten? Ich will mir nicht etwas Falsches von Vorgesetzten angewöhnen, und nach Jahren hab ich dann den Schaden. Wie viel Sicherheit ist genug, liebe Experten?
Laborregeln sind sehr allgemein gehalten und bereiten auf den schlimmsten Fall vor. Also die schädlichsten Stoffe, mit denen ma im Labor umgehen kann.

Du musst die Sicherheitsdatenblätter nicht nur lesen, sondern auch verstehen. Empfohlene Handschuhe beziehen sich z.B. auf einen dauerhaften Einsatz und Kontakt über eine 8-Stunden-Tag, außer, wenn etwas anderes geschrieben steht.

Außerdem solltest Du als Bachelor-Stundent in der Lage sein, abzuschätzen, dass ein Stoff mit der Verdünnung (Verschleppung) ungefährlicher wird. (Etwas anderes wären hier u.U. Erreger.)

Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen
Es geht mir ja gerade darum, herauszufinden, ob ich überreagiere.
Ich weiß nicht, mit welchen Chemikalien Ihr abreitet. Aber wahrscheinlich reagierst Du über. Wenn Ihr nicht die ganze Zeit mit CMR-Stoffen der Klassen 1 etc. um Euch schmeißt, dann kann man sich den Substanzen auch mal ohne Vollschutzanzug nähern.
__________________
Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim: Allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.

Erfahrung: Wenn es so einfach wäre, hätte es schon längst jemand gemacht
Cyrion ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.04.2019, 19:02   #13   Druckbare Version zeigen
kaliumcyanid Männlich
Mitglied
Beiträge: 19.181
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Sicherheitsmaßnahmen, die über das Ziel hinausschießen, verunsichern die Leute nur.

Chemikalien im Alltag gibt es zu Hauf, und trotzdem betrittst du dein Zuhause ja nicht nur im Vollschutzanzug. Putzmittel, Medikamente, Lebensmittel, Treibstoffe, Genussmittel... all diesen Dingen kann man ein gewisses Gefahrenpotential attestieren. Drano Rohrfrei? Ach, die halbe Dose in die Toilette geschüttet, wen kümmmern Umweltbedenken oder ein Spritzer konzentrierte Natronlauge im Auge? Die 0,01 M Salzsäure im Labor muss dann aber wie ein Kampfstoff behandelt werden. An der Tankstelle Benzindämpfe eingeatmet und sich das Zeug über die Hände geschüttet? Verdampft doch. Wen juckts. Lösungsmittel im Labor über die Hände bekommen? Der Krebs-Tod ist bereits in Stein gemeißelt. Am Wochenende mal wieder kräftig gesoffen? Wen jucken schon Stoffwechselprodukte? Aceton eingeatmet? Besser mal das Testament schreiben. Formaldehyd-Lösung im Labor? Anlass zur Chemotherapie. Ach, im Körper und in der Umwelt? Keeeein Problem.
Zitat:
In der Natur kommt Formaldehyd zum Beispiel in Säugetierzellen beim normalen Stoffwechsel als Zwischenprodukt vor: Im Menschen werden auf diese Weise pro Tag etwa 50 Gramm[9] gebildet und abgebaut. Menschen atmen ca. 0,001 bis 0,01 mg/m3 Formaldehyd aus, dabei besteht kein signifikanter Unterschied bei Rauchern oder Nichtrauchern.[10][11] Das Blut von Säugetieren enthält pro Liter ständig zwei bis drei Milligramm Formaldehyd.[12][13] Weiterhin entsteht Formaldehyd auch bei der Photooxidation in der Atmosphäre. Auch in Früchten wie Äpfeln oder Weintrauben kommt Formaldehyd natürlicherweise vor. Ebenso kommt Formaldehyd in Holz vor und diffundiert in geringen Mengen auch nach außen.

Formaldehyd entsteht außerdem bei praktisch allen unvollständigen Verbrennungen und anderen Oxidationsprozessen von längerkettigen organischen Substanzen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Formaldehyd

Bitte nicht falsch verstehen: ich plädiere nicht für den völlig naiven Umgang mit Gefahrstoffen, sondern dafür, nicht mit zweierlei Maß zu messen. Die Chemiker der letzten Jahrhunderte wurden alle recht alt... wenn die Laborarbeit so gefährlich wäre, müsste das durchschnittliche Todesalter in Laboren irgendwo um die 45 Jahre liegen. Die Chemie bietet mit die sichersten Arbeitsplätze, alleine schon, weil das ausgebildete Personal weiß, womit es hantiert. Das kann bei "chemie-fremden" Berufen, die mit Gefahrstoffen hantieren, schon wieder ganz anders aussehen. Im Labormaßstab mit Abzug und entsprechender Schutzausrüstung sind viele Dinge problemlos handhabbar.
kaliumcyanid ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.04.2019, 23:21   #14   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.666
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen
1) Lest ihr euch immer die Sicherheitsdatenblätter durch?
Eine jüngere Kollegin hat mir letztens erzählt, dass es bei ihr im Studium in allen Praktika an der Uni Ordner mit Sicherheitsdatenblättern gab. Da war ich etwas verwundert, zu meiner Uni-Zeit gab es das in keinem Praktikum.
Es ist auf jeden Fall sinnvoll, sich über die Toxizität von Substanzen zu informieren. Auf der anderen Seite muss dir aber auch klar sein, dass Sicherheitsdatenblätter auch für Leute geschrieben sind, die mit Fässern der entsprechenden Chemikalien umgehen. Insofern wirken einige Sachen für uns im Labor sehr übertrieben.

Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen
2) Benutzt ihr chemikalienspezifisch unterschiedliche Handschuhe?
Für viele Arbeiten brauchst du gar keine Handschuhe. Für manche Chemikalien ist das sinnvoll. Und dann macht es einen Unterschied, ob du mit Literflaschen einer konzentrierten Säure hantierst oder etwas mit zwei Tropfen verdünnter Säure ansäuerst.


Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen
4) Es ist freier Raum zwischen Labormantel und Handschuh, wenn ich das was raufkrieg, verteile ich es nachher vielleicht unabsichtlich überall, weil ich nicht sehe, wo es ist. Ist das unbedenklich?
Wie groß ist die Chance, dass das passiert? Und auch hier stellt sich die Frage, wie gefährlich die Substanzen sind, mit denen du arbeitest.
Es gibt Chemikalienschutzhandschuhe, die sind etwa 30 cm lang. Da hast du einen Spalt zwischen Kittel und Handschuh. Aber brauchst du das normalerweise?

Zitat:
Zitat von Niner Beitrag anzeigen
3) Geht ihr wirklich sicher, dass keine Chemikalie euch berührt?
Wie gesagt kannst du das nicht vermeiden. Die Frage ist auch, ob das wichtig ist. Wenn du im Labor einen Phosphatpuffer mit Natriumchlorid ansetzt, brauchst du dich nicht besonders schützen. Wenn du zu Hause Natriumchlorid ins Nudelwasser gibst, trägst du bei der gleichen Chemikalie auch keinen Vollschutz.

Die meinsten anorganischen Chemikalien kommen übrigens gar nicht erst durch die obersten Schichten deiner Haut. Insofern reicht es auch, sich zwischendurch die Hände zu waschen.

Ich musste letztens eine Gefährdungsbeurteilung schreiben für einen Versuch, bei dem ein paar Tropfen Spülmittel verwendet werden. Es war das gleiche Spülmittel, wie ich auch zu Hause zum Geschrirrspülen verwende. Aufgrund der Sicherheitsdatenblätter und Gefahrensymbole musste ich dann im Endeffekt Handschuhe und Schutzbrille als Persönliche Schutzausrüstung mit in die Gefährdungsbeurteilung nehmen. Das mag sinnvoll sein, wenn man 100 Liter des Geschirrspülmittels hantiert, bei einem Versuch mit ein paar Tropfen oder zu Hause beim Geschirrspülen erscheint das aber nur noch absurd.

Zitat:
Zitat von Niner
Meine Sorge gilt vor allem CMR-Stoffen und den Erkrankungen, die diese auslösen.
Auch solche Substanzen müssen erst in deinen Körper, um wirken zu können. Anorganische Substanzen kommen meist gar nicht durch die oberen Hautschichten, insofern ist es nicht ganz tragisch, wenn du damit kurz in Kontakt kommst und dir später die Hände wäscht.

Davon abgesehen hantierst du nicht den ganzen Tag mit entsprechenden Substanzen. Ich denke, niemand wird Angst um sein Leben haben, wenn er ein Stück Holz sägt. Wenn jemand sein Arbeitsleben lang Hartholzstaub einatmet, hat er jedoch ein erhöhtes Risiko, Lungenkrebs zu bekommen. Ebenso hat man ein höheres Krebsrisiko, wenn man sein Leben lang mit anderen CRM-Stoffen hantiert und dabei nicht geschützt ist. Solche Leute sollen durch den Gesetzgeber geschützt werden.
Im Gegensatz dazu kannst du auch völlig ungeschützt ein paar Tropfen Phenolphthalein-Lösung für eine Titration verwenden, ohne dadurch Krebs zu bekommen...
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.04.2019, 23:49   #15   Druckbare Version zeigen
rettich Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.632
AW: Sorgen nach Laborarbeit

Wenn ich das alles hier lese frage ich mich wirklich wie ich 30 Jahre Labor
überlebt habe. Und das zu Zeiten wo z.B. Tri, Tetra und Chloroform ganz normale
Laborchemikalien waren.
__________________
mfg: rettich

Man kann gar nicht so dämlich denken wie
andere Handeln.
Speziell im Strassenverkehr und im Labor.

Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.

Geändert von rettich (17.04.2019 um 23:56 Uhr)
rettich ist offline   Mit Zitat antworten
Anzeige


Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Laborarbeit LisaStudentin Medizin & Pharmazie 38 27.10.2017 14:23
Große Sorgen wegen Weichmachern,Pestiziden,BPA etc dunbar Medizin & Pharmazie 24 14.08.2013 20:10
Sorgen um Matraze aus Japan leOm Lebensmittel- & Haushaltschemie 23 30.07.2013 22:25
Sorgen hat man... ehemaliges Mitglied Off-Topic 3 29.08.2007 09:55
Fledermäuse sorgen für Wirbel CO-Newsbot Nachrichten aus Wissenschaft und Forschung 0 14.05.2007 21:10


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 12:18 Uhr.



Anzeige